Azoren: Die schönsten Wanderungen und Reiseregionen auf den Atlantikinseln
In diesem Beitrag berichtet Weltweitwandern-Gründer Christian Hlade von seinen Wandererfahrungen auf der Weltweitwandern-Reise „Olivers Azoren“
Flores: Wasserfälle und Weite am Atlantik
Wir befinden uns auf der westlichsten Azoreninsel Flores. Zum nächsten Festland sind es in jede Richtung knapp 2.000 Kilometer. Das raue Klima formte die Landschaft und prägt auch die knapp 3.500 Einwohner hier.
Blaue Hortensien, lila Schmucklilien, rosa Azoren-Glockenblumen und gelbe Girlandenblumen haben uns schon bei der Anreise am Straßenrand begleitet. Die üppig-grünen Wiesen mit braun-weiß gefleckten Kühen kontrastieren mit dem tiefblauen Meer und den herumwirbelnden Wolken. Auf Jahrhunderte alten Wegen wandern wir entlang der Westküste durch kleine Dörfer. Unter uns sind schroffe Klippen aus Vulkangestein. Wasserfälle stürzen über die Steilhänge, manche bis hinunter zum Meer. Ich kann mich an dieser Landschaft kaum sattsehen.
Eine Landschaft, eine Insel wie aus einem Fantasie-Märchen. Atlantis? Möglicherweise, denn mehr mitten im Atlantik, wie auf Flores, der westlichsten Azoreninsel, kann man – außer vielleicht auf einem Segelboot – kaum sein.
Später besuchen wir Fajã Grande, den westlichsten Ort Europas. Dort stehen die Häuser zwischen Steinmauern, dahinter steigen die grünen Hänge steil an.
Die über Klippen herunterfallenden Wasserfälle und die riesengroßen Baumfarne erinnern mich ganz stark an Neuseeland. Und dieses intensive Grün ist sowieso eine ganz eigene Kategorie. Vielleicht weil es immer wieder vom blauen Meer eingerahmt wird. Diese Kombi ist unbeschreiblich attraktiv. Betörend!
Unterwegs auf den Inseln
Unser Guide Oliver lebt schon seit 2011 das ganze Jahr über hier auf den Azoren. Dass er seine Wahlheimat liebt, das spürt man bei jedem Satz, jeder Erzählung von ihm. Was aber noch besser ist: Man erlebt es am besten durch Olivers geniale Azoren-Reisen für Weltweitwandern. Olivers Routen führen auf stillen Wegen zu türkisen Kraterseen und zu den Herzen der Menschen. Er kennt die lässigsten Kneipen, die besten Restaurants und öffnet uns durch sein sonniges Wesen so manche Tür.
Oliver führt unsere Touren mittlerweile abwechselnd mit Melinda und Frank. Und Stefania, die neue Kollegin im Team, absolvierte gerade ihre Weltweitwandern-Guide-Ausbildung in der Ramsau und wird ab 2027 ebenfalls unsere Azoren-Reisen begleiten.
Auf Flores wartet dann eine besondere Einladung auf uns. Olivers Schwiegereltern haben hier, unweit der Kirche an der Küste, ein Ferienhaus. Seine Schwiegermama Regina kocht für ihr Leben gerne… Und? Ja: die ganze Gruppe ist, hungrig nach einem Tag voller Eindrücke, zu einem Festessen eingeladen. Ein Mahl, wie es nur portugiesische Mamas kochen können und wie man es wahrscheinlich so in keinem Gasthaus der Erde bekommen würde…
Regina erzählt, dass all die Jahre ihres Lebens auf „ihrer“ Insel immer alle Freunde weggezogen sind. Aufs Festland nach Portugal und viele auch in die USA. Dass nun Menschen nach Flores kommen, um die Insel zu entdecken, ist für sie noch immer etwas Neues. Regina meint, wenn sie jünger wäre, dann würde sie sofort ein Gasthaus für Touristen aufmachen, weil sie es liebt, Menschen aus der ganzen Welt zu treffen.
Als dann Schwiegerpapa Armando für uns ein paar Fado-Stücke vorsingt — diese unnachahmlich wehmütigen Lieder, ähnlich dem „Blues“ — haben viele aus unserer Reisegruppe Tränen vor Rührung in den Augen. Ich auch!
Ein paar Worte zu unseren Gästen
Weltweitwandern hat sehr tolle Reisegäste. Wir ziehen anscheinend mit unseren speziellen Reiseangeboten auch speziell nette Menschen an. Die kleine Reisegruppe auf den Azoren hat sich auf der ganzen Reise untereinander wirklich extrem gut verstanden.
Die Gäste haben genau das geschätzt, was wir von Weltweitwandern anbieten: Authentische Erlebnisse, mit einem Local Guide, der durch seine Verwurzelung im Land viele Brücken baut.
Die Gruppe hatte auch unglaublich viel Freude und Spaß untereinander: Es wurde extrem viel gelacht, gesungen und aufeinander geschaut. Es gab aber auch viel Raum für jeden Einzelnen: Platz für Ruhe und Genießen alleine, kein Gruppenkoller. Es war wirklich, wirklich eine Freude da mitzureisen.
Zitat Gerhard und Marietta: „Wir sind in unserem Leben schon sehr viel gereist, aber diese Reise war für uns mit Abstand die schönste unseres Lebens. Und sooo eine nette Gruppe.“
Ein paar Worte zu unserem Local Guide Oliver
Unser erfahrener Local Guide Oliver macht einen wirklich tollen Job mit viel Engagement und Herz. Das war – und ist – echt eine „Bilderbuch-Weltweitwandern-Reise“!
Das Programm war voller Highlights. Der sehr komplexe Reiseablauf mit Inlandsflügen, Transfers, Fähren, Taxis und unterschiedlichsten Essensplätzen wurde souverän gemeistert und organisiert.
Oliver ist mit seiner Aufmerksamkeit ständig zu 100 % bei allen in der Gruppe. Mitten im Einzelgespräch hüpft er oft auf, um jemandem weiter hinten zu helfen. Er erkennt die meisten Problemstellen im Vorhinein und entschärft sie, schaut, dass es bei der Zimmerverteilung zu keinem Zeitverlust kommt, informiert Restaurants kurz vor Eintreffen der Gruppe, damit man schneller essen kann. Unglaublich toll!
Whalewatching: Wenn das Wetter – und das Glück – mitspielt
Das Wetter auf den Azoren kann sich schnell ändern, was oft gar kein Nachteil ist. Eine unserer Gruppen hat das im Seglerstädtchen Horta erlebt, und ich lasse Oliver selbst erzählen:
„Im Seglerstädtchen Horta angekommen, brachte ich die Gäste zu Pedro, dem Skipper und Chef der Walbeobachtungs-Firma. Mit finsterer Miene nuschelte er ins Telefon, um uns wenige Minuten später mitzuteilen, dass die Tour leider wegen zu starkem Wind abgesagt werden musste. Die Gäste waren natürlich traurig, akzeptierten aber die Entscheidung des Profis. Zum Trost gingen wir ins Peter Café Sport und gönnten uns einen Gin-Tonic, als plötzlich mein Handy klingelte. Pedro teilte mir mit, dass an der Südküste der Wind abgeflaut ist und nur wenige Kilometer vom Land entfernt Wale gesichtet wurden. Schnell ging’s raus, um in den nächsten zwei Stunden über 15 Pottwale mit Babys zu bewundern!“
Diese Geschichte zeigt, wie schnell sich das Wetter und die Erlebnisse auf den Inseln mitten im Atlantik ändern können. Und warum man bei all dem Unplanbaren am besten unserem großartigen Local Guide vertraut, der die Inseln in- und auswendig kennt und viele wertvolle Kontakte hat.
Die anderen Azoren-Inseln
Jede der Inseln, die wir auf der Reise „Olivers Azoren“ besucht haben, war anders vom Charakter.
Nur die Hauptinsel São Miguel hat schon etwas mehr Tourismus, auf den anderen Inseln reist man in eine weitgehend unberührte Welt. Besonders schön sind hier die Inseln Flores, Corvo und São Jorge. Auf den meisten Wanderwegen der Azoren-Inseln waren wir ganz allein im Gelände.
Bei einer Wanderung auf São Jorge wurden wir gleich zweimal hintereinander von Leuten ins Haus zum Wein bzw. Likör eingeladen. Das war unglaublich berührend für alle. Die offene, kommunikative Art von Oliver macht solche Dinge möglich. Er erzählt auch viel über das tägliche Leben und stellt uns immer wieder Menschen vor: Walbeobachter, Fischer, Gastwirte, Bootsfahrer, Barbesitzer. Man hat so die ganze Zeit das Gefühl, wirklich eine Reise zu Olivers guten Freunden zu machen.
Tipp: Wer nach „Olivers Azoren“ noch nicht genug hat, entdeckt auf „Olivers Entdeckerreise“ die Inseln Terceira, Graciosa, Santa Maria, Sao Miguel und Pico. Beide Reisen lassen sich auch kombinieren.