Lykischer Weg: Zu Fuß durch 2.500 Jahre Geschichte
Chef-Weltweitwanderer Christian Hlade war am Lykischen Weg unterwegs. Zwischen Küste, antiken Stätten und persönlichen Begegnungen erlebte er, was diese Route so besonders macht.
Ein Monat Türkei liegt hinter mir. Gestartet bin ich mit einer wahnsinnig netten Weltweitwandern-Gruppe auf unserer Reise „Türkei – Lykischer Weg“. Dann ging es für mich auf eigene Faust weiter: Rund 450 Kilometer, drei Wochen, 18.000 Höhenmeter. Der Weg gilt als einer der schönsten Fernwanderwege der Welt. Ob das stimmt, wollte ich selbst herausfinden. Und kann es jetzt bestätigen: Ja, er ist wirklich traumhaft schön!
Der Weg
Zu den Fakten: Der Lykische Weg führt entlang der türkischen Südwestküste, der sogenannten Türkis-Küste. Die klassische Originalroute, 1999 fertiggestellt, misst rund 500 bis 540 Kilometer, von Fethiye bis kurz vor Antalya. Mit den seither hinzugekommenen neuen Abschnitten und Varianten ist die Gesamtlänge des Wegenetzes auf rund 760 Kilometer angewachsen. Wer alles geht, braucht mindestens einen Monat, die meisten Wandernden nehmen sich Teilabschnitte von einer bis zwei Wochen vor. Unsere achttägige Weltweitwandern-Reise führt über einige der schönsten Abschnitte des Lykischen Weges.
Die Geschichte
„Erfunden“ hat diesen Weg die Britin Kate Clow. Ein Jahrzehnt lang recherchierte sie alte Pfade, markierte sie gemeinsam mit Freiwilligen und veröffentlichte einen detaillierten Führer. 1999 wurde der Weg eröffnet. Aus dem Nichts entstand so der erste und bis heute berühmteste Fernwanderweg der Türkei und mit ihm eine ganz neue Wanderkultur im Land. Bis heute lebt die Visionärin Clow in der Region und erschließt weiter neue Abschnitte. Getragen und gepflegt wird das Wegenetz von der von ihr gegründeten „Culture Routes Society“. Dass Kate Clow noch persönlich aktiv ist, kann ich selbst bestätigen: Bei der Bestellung ihres Wanderführers hatte ich einen netten E-Mail-Kontakt mit ihr.
Der Lykische Weg basiert auf antiken Karawanenwegen, Hirtenpfaden und römischen Straßen. Die Lykier, eine eigenständige Hochkultur des Altertums vor 2.500 Jahren mit frühen demokratischen Strukturen und bedeutendem Seehandel, haben diese Landschaft geprägt. Man wandert hier nicht nur durch Landschaft. Man geht durch die Zeit und erwandert ganz hautnah die Kulturgeschichte Europas.
Was ich gesehen und erlebt habe
Einer der besonderen Orte entlang des Lykischen Weges ist die antike Stadt Patara. Dort bin ich ehrfürchtig still im alten römischen Theater gesessen und hab über die Ruinen der riesigen Stadtanlage geblickt. Steine, Bögen, Ränge, alles still, wie im Dornröschenschlaf. Und ganz intensiv spürt man, dass hier einmal quirliges Leben war: Handel, Begegnung, Bewegung. Eine Hochkultur, die diese Landschaft geprägt hat. Der nahe Leuchtturm hat mehr als 1.500 Jahre lang Seefahrern und Handelsschiffen den Weg gewiesen. Direkt daneben liegt der Strand von Patara: Über zehn Kilometer lang, unter Naturschutz, keine Hotels, keine Verbauung. Nur Sand, Meer und Weite.
Genau das macht den Lykischen Weg für mich aus: dieser ständige Wechsel. Baden im tiefblauen Meer und dahinter die schneebedeckten Gipfel des Taurusgebirges. Man steigt hinauf in die Berge und blickt auf sie zurück, geht durch abgelegene Dörfer im Hinterland, oft stundenlang ohne jemandem zu begegnen. Dann führt der Weg wieder entlang des tiefblauen Meeres, zu kleinen Fischerorten mit ruhiger Hafenstimmung.
Begegnungen unterwegs
Was mir am Lykischen Weg besonders gefallen hat, sind die vielen Begegnungen. Schon in unserer Weltweitwandern-Gruppe war der Austausch ein wichtiger Teil des Unterwegsseins. Und auch darüber hinaus habe ich Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern kennengelernt: Joy, eine chinesische Freelancerin, die alleine wandert. Max, einen holländischen digitalen Nomaden. James und Dan, zwei Iren, mit denen ich einige Tage unterwegs war. Zwei Österreicher, die seit Anfang April auf dem Weg waren. Ein britisches Ehepaar, mit dem ich zu Abend gegessen habe. Dazu Russinnen, Ukrainer, Deutsche, Türken, Franzosen, Italienerinnen, eine Frau aus dem Libanon. Ein wirklich internationales Publikum. Man geht ein Stück gemeinsam, tauscht Geschichten aus, und dann trennt sich der Weg wieder. Über Facebook bin ich mit vielen meiner Weggefährten bis heute verbunden.
Land und Leute
Was die Türkei betrifft: Viele haben aktuell Vorbehalte gegenüber Reisen dorthin. Nach drei Wochen auf dem Lykischen Weg kann ich sagen: Ich habe mich unterwegs sehr wohl und sicher gefühlt und eine außerordentliche Gastfreundschaft erlebt. Entlang des Weges gibt es immer wieder kleine Familienpensionen, in denen abends für die wenigen Gäste gekocht wird, man zusammensitzt und viel vom Leben hier mitbekommt. In den Bergen ist das noch einmal ursprünglicher als unten am Meer, wo der Tourismus stärker präsent ist. Genau das fördert der Lykische Weg: keine Hotelkomplexe, sondern Familienbetriebe, lokale Küche, echte menschliche Begegnung.
Diese Reise hat auch einige meiner Bilder im Kopf verändert. Die Türkei ist viel moderner und urbaner, als ich erwartet hatte. Gleichzeitig gibt es nicht DIE EINE Türkei. Sobald man die großen Städte und Ferienorte an der Küste verlässt, wird vieles traditioneller, ruhiger. Genau diese Gegensätze machen das Land spannend. Besonders beeindruckt hat mich die kulturelle Dichte.
Und was langes Wandern ausmacht: Nach ein paar Tagen kommt man in einen ganz eigenen Flow. Der Körper findet seinen Rhythmus, der Kopf wird ruhiger, Ideen tauchen auf. Oft genau dann, wenn man nicht danach sucht. Ich habe in diesen Wochen intensiver an meinem neuen Buch gearbeitet als in vielen Monaten zuvor. Nicht am Schreibtisch. Schritt für Schritt.
Fazit zum Lykischen Weg
Der Lykische Weg zählt zu Recht zu den schönsten Weitwanderwegen der Welt: tiefblaues Meer und schneebedeckte Berge, grüne Hügel, Antike und Gegenwart, Einsamkeit und Begegnung, sehr gutes Essen und eine Geschichte, die Jahrtausende zurückreicht.
Tipp: Bei Weltweitwandern findest du die Highlights des Lykischen Weges als geführte Wanderreise sowie drei weitere Türkei-Reisen, geführt von unseren großartigen lokalen Guides.