Fast ein halbes Jahrhundert lang war sie abgesperrt und mit Raketenstellungen bestückt: Die Kurische Nehrung, eine fast hundert Kilometer lange Landzunge, die das Haff von der Ostsee trennt. Es ist eine Welt aus Fischerdörfern, Schilfgürteln und bis zu 60 Meter hohen Dünen, der Sage nach aufgeschüttet von der Riesin Neringa, um die Kuren vor dem Meeresgott Bangputis zu schützen. Wir wandern Strände entlang, entdecken auch die etwas sumpfige und dunklere Haffseite. Über das Kurische Haff geht’s mit dem Boot, beim Memel-Delta nisten Kormorane auf den Bäumen. Wir kehren zurück ins belebte Nida und besuchen das Sommerhaus, das Thomas Mann sich hier bauen ließ: in „Ochsenblut“-Rot und „Niddener Blau“, mit Reet (Schilf) gedeckt, genau wie die anderen Häuser auch.

Von den winkeligen Gässchen im Jüdischen Viertel Vilnius´ bis nach Tallinn und damit quer durch die wechselvolle Geschichte des Baltikums führt uns diese Reise. Dazwischen genießen wir Ruhe an den schönsten Küsten, Seen und Nationalparks. Wir gehen auf Holzstegen durch Moore, landen auf Wasser- und Bischofsburgen und besuchen das Militärmuseum des Kalten Kriegs.

Zuletzt erwandern wir die Käsmu-Halbinsel mit ihren riesigen Findlingen an der Nordküste Estlands. Das Dorf Käsmu war einst als „Kapitänendorf“ bekannt: Es war Standort der Estnischen Navigationsschule. Im 19. Jahrhundert lebten hier auch viele Alkohol- und Salzschmuggler. Heute geht es ruhiger zu, nur Schwäne stoßen vom Sand aus in See, das Wasser schwappt an den Waldrand.