Messerscharf sind die grauen Kalknadeln und -zähne, zwischen denen wir wandern. Manche dieser „Tsingy“ wirken wie gotische Bauwerke, die jemand mit einem Überschuss an Kraft zusammengeschoben hat; andere gemahnen an gespenstische Gestalten mit Kapuzen auf dem Kopf. „Tsingy“ heißt wörtlich „wie auf Zehenspitzen gehen.“ Gut, dass wir feste Schuhe anhaben, schließlich sind wir keine Lemuren – viele dieser endemischen Tiere springen einfach zwischen den scharfen Felsen umher. Tief unter der tropischen Hitze, die über diesem steinernen Meer liegt, dehnen sich Höhlen und kilometerlange Gänge aus, ja sogar unterirdische Seen. Die Gräber an der Mündung des Manambolo-Flusses gelten den Einheimischen als heilig.

In Madagaskars Westen sind tropische Wälder und Alleen aus Baobab zu entdecken – jenen Bäumen, die aussehen, als würden sie ihre Wurzeln Richtung Himmel strecken. Und überall Tierarten, die es nirgends sonst auf der Erde gibt, wie das Aye-Aye mit seinen langen Spinnenfingern. Auch Reisterrassenfelder und kleine Lagunen besuchen wir.

 

Großer Bambuslemur und Eulemur, Gabelstreifen- und Riesenmausmaki: Alle etwa 100 bekannten Arten der Lemuren kommen ausschließlich hier vor. Ihr Verhalten kennt viele Spielarten: Die Tagesaktiven verständigen sich mittels Grimassen, die Nachtaktiven über Laute. Manche Gruppen werden von Weibchen dominiert, männchendominierte sind nicht bekannt.In Regenjacken erkunden wir den Ranomafana-Nationalpark. Hier wurden der Goldene Bambuslemur und einer der kleinsten Frösche der Welt entdeckt, der nur 10 bis 12 Millimeter groß wird. „Ranomafana“ bedeutet „Heißes Wasser“: Am Nachmittag können wir in den schwefelhaltigen Quellen baden.