Messerscharf sind die grauen Kalknadeln und -zähne, zwischen denen wir wandern. Manche dieser „Tsingy“ wirken wie gotische Bauwerke, die jemand mit einem Überschuss an Kraft zusammengeschoben hat; andere gemahnen an gespenstische Gestalten mit Kapuzen auf dem Kopf. „Tsingy“ heißt wörtlich „wie auf Zehenspitzen gehen.“ Gut, dass wir feste Schuhe anhaben, schließlich sind wir keine Lemuren – viele dieser endemischen Tiere springen einfach zwischen den scharfen Felsen umher. Tief unter der tropischen Hitze, die über diesem steinernen Meer liegt, dehnen sich Höhlen und kilometerlange Gänge aus, ja sogar unterirdische Seen. Die Gräber an der Mündung des Manambolo-Flusses gelten den Einheimischen als heilig.

In Madagaskars Westen sind tropische Wälder und Alleen aus Baobab zu entdecken – jenen Bäumen, die aussehen, als würden sie ihre Wurzeln Richtung Himmel strecken. Und überall Tierarten, die es nirgends sonst auf der Erde gibt, wie das Aye-Aye mit seinen langen Spinnenfingern. Auch Reisterrassenfelder, Thermalquellen und kleine Lagunen besuchen wir.

Per Boot tuckern wir über den Canal de Pangalanes; errichtet in der französischen Kolonialzeit, ist er inzwischen stark versandet. Mangels Straßen ist er dennoch auch heute noch die Lebensader der Region. Wir begegnen unzähligen bunten Booten, Pirogen (Einbäumen) und am Ufer spielenden Kindern, bei einigen Dörfern machen wir Halt. Schließlich erreichen wir die Hafenstadt Toamasina, in der sich der Einfluss von Portugiesen, Franzosen, Briten und Merina ablesen lässt – und in der die Mehrheit der Bewohner noch keine zwanzig Jahre zählt.