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Unsere Tipps für das Fotografieren beim Wandern und Reisen

Von WWW-Gründer Christian Hlade

Techniken und Equipment

Am Display des Handys schauen die Bilder noch halbwegs okay aus, aber zu Hause am Computerbildschirm sieht man dann, dass viele verwackelt und unscharf sind. Irgendwie kommt die schöne Stimmung des tollen Wandertags so gar nicht in den Bildern heraus. Was tun? Für wirklich gute Fotos Ihrer Wanderungen oder Reisen sollten Sie einige technische Tipps beherzigen, aber auch die Kunst des Sehens mit wachem Auge sowie offenem Geist und Herzen berücksichtigen. Hier meine persönlichen Foto-Empfehlungen.

Fotografieren üben heißt Sehen üben

Für das Gelingen eines Fotos zählt in erster Linie immer noch das fotografische Auge. So manche Menschen machen mit einem Handy bessere Bilder als andere mit einer Spiegelreflexkamera. Die gute Nachricht: Schöne Bilder zu machen kann man durchaus lernen und üben, etwa durch gute Beispiele. Vor einer Reise oder einer besonderen Wanderung schaue ich mir oft Bilder von Profis in Bildbänden, Magazinen oder im Internet an. Dabei achte ich auf die Bildausschnitte, merke mir besondere Fotostandpunkte, Techniken und Lichtverhältnisse. Manchmal vergleiche ich dann auch nach der Wanderung meine Bilder mit denen der professionellen Fotografen. Was haben die besser gemacht, was könnte ich noch verbessern? Ganz sicher ist auch der Besuch eines Fotokurses für ambitionierte Hobbyfotografen ein guter Weg, sich ein technisches und gestalterisches Wissen anzueignen.

Tipps zu Ausrüstung und Zubehör

Generell gilt: Der beste Fotoapparat ist immer der, mit dem man gut umgehen kann. Machen Sie sich vor der Reise mit den Möglichkeiten Ihrer Kamera vertraut: Dazu gehören Autofokus-Funktionen, Programmeinstellungen, Blitzbelichtung und Möglichkeiten des halbautomatischen Eingreifens wie

das Blendenwahl-Programm (AV/AP) zur Festlegung der Tiefenschärfe, das Zeitwahl-Programm (Tv/SP) zur Festlegung der Verschlusszeit und die ISOWahl zur Festlegung der Lichtempfindlichkeit. Je vertrauter man mit seiner Kamera ist, desto besser kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Bildgestaltung.

Als wichtiges Zubehör auf Reisen empfehle ich jedenfalls eine gute Kameratasche, mit der man die Kamera beim Wandern stets fotografierbereit am Körper tragen kann, sowie ausreichend Speicherkarten, Reserve-Akkus und evtl. ein Solar-Ladegerät bzw. eine Powerbank für Gegenden ohne Stromversorgung. Enthusiasten haben auch diverse Filter in ihrer Fototasche bzw. am

Objektiv – allen voran einen UV-Filter, der die Linse vor Kratzern schützt, aber auch Pol- und ND-Filter. Letztere nehmen Licht weg und ermöglichen auch bei Sonnenschein Langzeitbelichtungen zum Einfangen fließender Bewegungen. Allerdings braucht man dann wieder ein Stativ. Und das ist schon wieder ein eigenes Kapitel.

Die Wahl der Kamera

Eine generelle Empfehlung kann und will ich nicht geben, dafür sind Ansprüche und Geschmäcker zu verschieden. Aber nachdem ich oft gefragt werde, mit welcher Kamera ich auf Reisen fotografiere, verrate ich hier meine persönlichen Kameravorlieben:

Viele Schnappschussfotos mache ich mittlerweile – so wie der Großteil der Wandernden – mit dem Smartphone. Die Kameraqualität der digitalen Alleskönner ist den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Die Handykameras haben zudem den unschätzbaren Vorteil, rasch einsatzbereit zu sein, wodurch man kaum noch gute Fotomomente verpasst.

Dennoch macht eine „richtige“ Kamera noch immer deutlich schönere und schärfere Fotos als Mobiltelefone mit ihren winzigen Objektiven. Vor allem in interessanten Momenten mit wenig Licht bzw. für Vergrößerungen ist das entscheidend. Ich fotografiere aktuell mit einer spiegellosen Systemkamera der Firma Fujifilm, die ich vor allem für Landschafts- und Architekturaufnahmen gerne in Kombination mit dem Weitwinkelzoom 10–24 mm 1:4 verwende. Diese Kamera ist eine echte Offenbarung für mich als anspruchsvollen Reisefotografen, der bisher kiloschwere Fotoausrüstung mit sich herumschleppen musste. Liebe auf den ersten Klick: eine tolle, leichte Kamera, kompromisslos gute Objektive, dazu ein stilvolles Retro-Design mit vielen sinnvollen fotografischen Gestaltungsmöglichkeiten. Ich bin begeistert!

Respektvolles Fotografieren

Kaum ein Mensch mag es, wenn er von einem Fremden ungefragt fotografiert wird. Das gilt für Mitteleuropa genauso wie für entlegene Weltgegenden.

  • Bitten Sie daher immer erst um Einverständnis, wenn Sie jemanden fotografieren wollen – egal ob mit Worten oder Gesten. Und bitte respektieren Sie es auch, wenn der Wunsch abgelehnt wird.
  • Fotografieren Sie Menschen nicht in peinlichen oder entwürdigenden Situationen! Vertrauen Sie auf Ihr Feingefühl und fragen Sie sich selbst, ob Sie sich in der betreffenden Situation fotografieren lassen würden.
  • Für manche Menschen ist der Beruf des „Fotomodells“ auch ein Einkommen, z. B. die Wasserträger in Marrakesch, Saddhus in Nepal, Maskenträger in Venedig, Schausteller in Fußgängerzonen usw. Hier müssen Sie unbedingt für ihr Foto bezahlen. Den Betrag am besten vor dem Fotografieren aushandeln.
  • Bezahlen Sie aber bitte keine Kinder für Fotos, das verführt sie zum Betteln.
  • Bei vielen rituellen Handlungen, an religiösen Stätten oder auch an strategisch wichtigen Orten ist das Fotografieren nicht erlaubt. (Im Zweifel fragen!)

Auf das Licht achten

Fotografieren ist Gestalten mit Licht. Als Faustregel gilt: In der Früh und am Abend ist das Licht oft milder und daher schöner als in der Mittagssonne, die harte Schlagschatten werfen kann. Wenn Sie die Sonne im Rücken haben, werden die Farben am Bild kräftiger, die Kontraste stärker und auch der Himmel wirkt schöner. Sonne von der Seite erzeugt plastische Formen.

Mut zum Gegenlicht

Fotografieren Sie auch mal gegen das Licht, um die Konturen herauszuarbeiten. Wenn man dabei abblendet, kommt es zu lässigen Lichteffekten. Auch Porträts im Gegenlicht können cool ausschauen – hier unbedingt mit Blitz fotografieren.

Gesichter nicht im hellen Sonnenlicht

Porträts bzw. Gesichter sollte man eher nicht im strahlenden Sonnenlicht aufnehmen, die helle Sonne blendet und erzeugt verzwickte Gesichter und das Foto wird mit den harten Licht-Schatten Kontrasten der gleißenden ohnehin meist ohnehin nicht besonders gut. Viel besser gelingen Porträts im Schatten. Der Hintergrund sollte für eine gute Belichtung nicht blenden und daher nicht sehr viel heller sein als das Gesicht.

Nahe rangehen

Bei Fotos, auf denen Ihnen die abgebildeten Menschen wichtig sind, empfehle ich, nahe ranzugehen (mit Einverständnis der Person) und nicht zu viel Umgebung auf das Bild zu bringen. Neben weiten Landschaften sind es oft auch kleine Details und Nahaufnahmen, die Stimmung vermitteln.

Ruhig halten

Ob mit dem Smartphone oder der Profikamera: Vor allem bei wenig Licht muss die Kamera möglichst ruhig gehalten werden. Dabei hilft es schon enorm, die Kamera auf einer Brüstung oder seitlich an einer Säule anzulegen.

Selbstauslöser und Stativersatz

Ein Smartphone kann man auch in eine Kaffeetasse am Tisch als Stativersatz stecken und dann in Kombi mit dem Selbstauslöser verwenden. Eine größere Kamera kann man mit einem Tuch auf einem Tisch oder eine Brüstung stabilisieren und mit dem Selbstauslöser sich selbst fotografieren oder Langzeitbelichtungen bei wenig Licht erzielen.

Kameratasche verwenden

Nehmen Sie unbedingt eine Tasche, mit der Sie die Kamera außen am Körper tragen können und so schneller fotografierbereit sind. Diese Tasche sollte wetterfest sein. Wenn die Kamera im Rucksack verstaut wurde, holt man sie nur sehr selten heraus, weil jedes Mal anhalten und den Rucksack herunternehmen einfach zu mühselig ist.

Reserven einplanen

Nehmen Sie unbedingt ausreichend Reserve-Akkus und Speicherkarten mit.

Niemals gehen und gleichzeitig fotografieren

Wer unkonzentriert ist, kann leicht stolpern und das wiederum kann zu Verletzungen führen.

Akku leer, Speicherkarte voll?

Das ist die Gelegenheit, in den „Herzbild-Modus“ zu wechseln. Nicht alles muss immer auf die Speicherkarte gebannt werden. Intensive Eindrücke werden oft noch intensiver, wenn man kein Objektiv vor das Auge schiebt. Solche Momente bleiben dann ein Leben lang im Gedächtnis haften. Ganz von selbst.