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Azoren: Eine Reise während der Coronazeit

NACHBERICHT VON OLIVER HANDLER / LANGJÄHRIGER WELTWEITWANDERN GUIDE AUF DEN AZOREN
ERSTE
WWW – REISE AUF DEN INSELN SEIT BEGINN DER PANDEMIE 05.-19.09.2020

Am 05. September 2020 hatte das monatelange Warten ein Ende!

Endlich durfte ich die erste Reisegruppe des Jahres auf „meinen Azoren“ begrüßen. Bei der Ankunft mussten meine Gäste, welche bereits vor der Anreise einen COVID19-Test in der Heimat gemacht hatten, noch durch den „Check“ der Gesundheitsbehörde und knapp 1 Stunde später ging es ins Hotel. Bei der Begrüßung durfte ich Zita und Peter aus der Schweiz sowie Sonja, Mathias und Helene aus Deutschland besser kennenlernen und sofort waren wir uns sympathisch. Ich musste auf die vor Ort geltenden Vorschriften wie das Tragen einer Maske in Gebäuden und beim Transport hinweisen, danach ging es los mit der ersten Tour im vulkanisch aktiven Tal von Furnas sowie entlang der wunderschönen Nordküste von São Miguel.

Tags darauf wanderten wir zum traumhaft schönen “Lagoa do Fogo” und genossen das Farbenspiel im Kratersee, die vorbeiziehenden Wolken und sattgrünen Hänge an einem meiner absoluten Lieblingsplätze auf den Azoren. Beim späten Mittagessen direkt am Meer stärkten wir uns bei frischem Schwertfisch und süffigem Inselwein, danach wagten Peter und Mathias noch einen Sprung in den im September mit 24 Grad wunderbar warmen Atlantik. Am 3. Tag der Reise ging es zum Flughafen – auf nach Flores!!! Die fast 600 Kilometer weiter westlich gelegene, wilde Insel empfing uns standesgemäß. Windböen bei der Landung und dicke Wolken im Hochland.

Nach einem Mittags-Picknick am tosenden Ozean holte uns Fahrer Silvio vom Hotel ab und wir fuhren durch teils dichten Nebel in Richtung Westküste. Plötzlich riss die Wolkendecke auf und wir nutzten unser Glück, um die magischen Kraterseen Funda und Comprida zu bestaunen. Bei der Wanderung entlang der Südwestküste von Mosteiro nach Fajã Grande wechselten Sonne und Regen, ziemlich nass genossen wir unser wohlverdientes Bier in der Dorfkneipe, bevor uns Silvio wieder einsammelte und zum Hotel brachte.

Da von der Gesundheitsbehörde der Azoren ein weiterer (kostenloser) COVID-19-Test am 6. Tag nach dem ersten Test vorgeschrieben ist, begann der Tag mit einem kurzen Besuch im „Centro de Saúde“ – 30 Minuten später saßen wir bereits beim Frühstück! Obwohl die Bekanntgabe des Testergebnisses etwa 24 Stunden dauert, konnten wir ohne Wartezeit unser Programm fortsetzen. Da es starke Regenfälle in der Nacht gab, musste ich eine Ersatztour machen – und die bot uns hautnasse Naturerlebnisse!!!

Über die mehrere hundert Meter hohe Steilküste stürzten tosende Wasserfälle herab und boten uns unvergessliche Eindrücke, auch wenn wir bis auf die Unterhose nass geworden sind! 😊 Am 10.09. feierte Mathias Geburtstag, daher besorgte ich ein kleines Törtchen und eine Flasche Sekt, welche wir beim gemeinsamen Frühstück ohne große Probleme leerten. 😉 Vielleicht wollten sich einige noch Mut antrinken, denn danach ging es mit dem Schlauchboot über´s offene Meer zur kleinsten Azoreninsel Corvo.

Nur knapp 450 Menschen leben im einzigen Ort, Vila Nova do Corvo. Viele Jahrhunderte lebten die Bewohner in Isolation und hatten mit Hunger, Wetterkapriolen und Piratenangriffen zu kämpfen. Heute präsentiert sich die 6 x 4 Kilometer kleine Insel aufgeschlossen und modern – mehrmals pro Woche landen kleine Flugzeuge, fast täglich transportiert Skipper Carlos Touristen von Flores nach Corvo. Wir leisteten erst unseren kleinen Beitrag zur Förderung der regionalen Wirtschaft und stärkten uns bei Kaffee und Sandwiches. Danach ging´s mit dem klappernden Minibus hoch auf der 8 Kilometer langen Strasse bis zum Kraterrand, doch leider war der Caldeirão in dichte Wolken gehüllt. Somit musste ich wieder kurzfristig umplanen, denn stundenlang im Nebel wandern macht keinen Spaß. Da die Wolken nicht sehr tief hingen, machten wir die Alternativtour an der „Cara do Indio“ bis nach Vila Nova.

Bei der Rückfahrt überraschte uns mein langjähriger Freund und für mich beste Skipper der Azoren mit einer unglaublichen Fahrt entlang der grandiosen Steilküste im Norden und Osten von Flores. Carlos kennt aufgrund seiner 30-jährigen Erfahrung alle Untiefen und manövrierte trotz Wellen seinen 500PS-starken „Ferrari“ in souveräner Manier in Höhlen und auch hinter mächtige Wasserfälle.

Weiter ging die Reise zur zentralen Inselgruppe nach Faial, wo wir den freien Nachmittag zu einer tollen Ausfahrt zum „Whalewatching“ nutzten und mit ruhigem Meer und 4 Spezies von Meeressäugern belohnt wurden. Erst kam Flipper, danach Fleckendelfine, sogar ein Seiwal und zum Schluss noch Pilotwale!!! Am Samstag, 12.09. klingelte der Wecker früh, doch das Aufstehen sollte sich lohnen!!! 😊 Wir hatten bei unserer Besteigung des Vulkanberges Pico, mit 2.351 Metern Höhe höchster Berg Portugals, echtes „Kaiserwetter“ und erlebten bei der 9-stündigen Tour das absolute Highlight der gesamten Reise!!!

Nach einem gut 3 ½ stündigen Aufstieg von über 1000 Metern erreichten wir den Kraterrand auf 2.250 Metern über dem Meer und blickten auf die Vulkanspitze „Piquinho“. In der Mondlandschaft fühlt man sich dem Himmel ganz nah und nach kurzer Kraxlerei standen wir auf dem Gipfel des Pico (2.351m) JUHUUUUU!!!

Der lange, mühsame Abstieg wurde gut geschafft und alle kamen unversehrt zurück zum Ausgangspunkt. Am Abend wurde der „Gipfelsieg“ gebührend gefeirt, bevor wir müde ins Bett fielen. 😉 Tags darauf erschien unser Traumberg erneut im gleissenden Morgenlicht, noch schon kurze Zeit später folgte ein kräftiger Regenschauer und wir starteten ganz gemütlich in den Sonntag auf Faial. Als wir nach dem Frühstück zu unserer Erkundungstour aufbrachen, schien bereits wieder die Sonne, also ging´s mit dem Bus hoch zur gewaltigen Caldeira von Faial, wo wir den riesigen Kraterkessel bestaunten.

Gewandert wurde weiter im Westen der Insel entlang der Vulkankette, welche am erst 1957/58 entstandenen Vulkan „Capelinhos“ endet. Während der 13 Monate andauernden Eruptionen wurden 2,4 km2 neues Land erschaffen – Wind und Regen nagen jedoch am jüngsten Teil des Archipels. Wir konnten diese für die Azoren einzigartige Landschaftform bei tollem Licht voll geniessen und uns bei einem Bad im Atlantik den Aschestaub vom Körper waschen. 😉

Bei „Olivers Azoren“ darf natürlich nicht das Wanderparadies São Jorge fehlen, eine knapp 2-stündige Überfahrt mit der Fähre brachte uns vom mondänen Städtchen Horta auf die nadelförmige, nur 8 Kilometer breite Insel.An der Nordküste gibt es über 50 Fajãs – das sind zum Teil winzige Küstenebenen, welche aus Erdrutschen oder aufgrund von Lavaflüssen entstanden sind. Da vor allem in den Wintermonaten oberhalb der Steilhänge oft Nebel und Wind den Menschen das Leben erschwerten, entschlossen sich die Bewohner, die fruchtbaren Fajãs zu besiedeln und dem tristen Wetter zu entfliehen. Wir wanderten entlang uralter Verbindungswege in die „Fajã d’Além“, welche ausschliesslich zu Fuss erreichbar ist und gut 500 Höhenmeter unterhalb der Regionalstrasse liegt. Diese aus ca. 20 Häusern bestehende Siedlung ist seit 1998 nicht mehr ständig bewohnt. Am Wochenende jedoch steigen die Menschen aus den umliegenden Dörfern die steilen Serpentinen hinab, und die Felder zu pflegen, auf denen Wein, Tomaten, Paprika und Bananen gedeihen.

In der Fajã angekommen packten wir gerade unser Picknick aus, als wir Stimmen hörten und ich auf Duarte und seine Frau Noélia traf. Ich kannte die Beiden schon aus früheren Begegnungen und wenig später nahmen wir auf deren Terrasse Platz. Wir durften sogar einen Blick in das Steinhäuschen machen, Duarte zeigte uns stolz dem Weinkeller und natürlich mussten wir seine hochprozentigen Schnäpse verkosten. 😊

Ohne Strom, aber mit viel Fleiss und Bescheidenheit sowie bedingungsloser Gastfreundschaft wankten wir voller Glücksgefühle von dannen – niemand wollte weg aus diesem versteckten Paradies!!!

Ich habe soeben mit Duarte telefoniert und mich nochmals im Namen der Wandergruppe für die Herzlichkeit bedankt und werde den Beiden in den nächsten Tagen einige Fotos von unserem unvergesslichen Treffen am Fuße des Steilhangs senden. Die Wanderung vom Hochland von Topo zur Caldeira de Santo Cristo gehört zu den absoluten Klassikern auf den Azoren. Bei sonnigem Wetter trafen wir auf diesem gut 2-stündigem Wegabschnitt nur eine Handvoll Menschen. Unser mutiger Peter nahm ein erfrischendes Bad im Wasserfall, ehe wir die einzigartige Küstenebene an der Caldeira de Santo Cristo mit seinem Brackwassersee erreichten. In dem Gewässer werden Herzmuscheln gezüchtet, welche auf den Inseln als Delikatesse gelten. Wir blieben beim kräftigen Inselkäse und Maisbrot, ehe wir gestärkt zur ebenfalls wunderschönen Fajã dos Cubres maschierten.

Tags darauf stand die letzte Tour auf dem Programm. Dieses Mal wanderten wir entlang der Südküste von der Fajã dos Vimes, wo die Familie Nunes seit vielen Jahren eine kleine Kaffeeplantage besitzt. Nach der Besichtigung des Gartens, wo wir neben der Kaffeesträucher auch Maracujas, Feigen und Kiwis bestaunen konnten, gab es eine Tasse „Café da Fajã“. 😊 Mit diesem „Doping“ stiegen wir die steilen Hänge fast mühelos hoch und genossen von hoch oben herrliche Blick zu unserem Zielort, der Fajã de São João. Nachdem Helene mal wieder ihr unglaubliches Auge für 4-blättrige Kleeblätter unter Beweis stellte und uns allen Glück schenkte, erreichten wir endgültig das Paradies auf Erden!!! Auf zahlreichen, steilen Terassenfeldern gedeihen Weintrauben, welche zwar häufig aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht mehr gepflegt werden, aber immer noch eine reiche Ernte abliefern. Als wir uns an Trauben sattgegessen hatten, konnten wir den verwilderten Feigenbäumen mit seinen reifen Früchten nicht wiederstehen. So zwischendurch gab´s noch Brombeeren und Erdbeer-Guaven zu Naschen. 😉 Als im Zielort noch die kleine Bar geöffnet hatte und wir ein kühles Bier geniessen konnten, war unser Glück perfekt!

Den letzten Abend auf São Jorge liessen wir gebührend am Meer mit Blicken zur Insel Pico ausklingen – Zé, seine Frau Luisa und Sohn Ricardo verwöhnten uns mit gegrilltem Fisch und Fleisch sowie süffigem Hauswein. Es ging zurück nach São Miguel, doch noch war nicht Schluss mit den Traumblicken und ich hatte noch eine kleine Überraschung für meine liebe Wandergruppe parat.

Vom Flughafen ging es direkt in den Westen der Insel, wo wir im Waldpark beim Lagoa do Canário auf geheimen Pfaden gewandelt sind. Vorbei an dichter Vegetation und blubbernden Quellen erlebten wir magische Stimmungen und schritten voller Freunde ehrfürchtig durch die Landschaft. Ein paar Meter weiter öffnete sich der Wald und plötzlich standen wir am mächtigen Kraterrand von Sete Cidades. Die Überraschung glückte, das Staunen war groß beim Blick auf die Traumlandschaft voller Kraterseen.

Nach 2 erlebnisreichen Wochen auf 6 Azoreninseln kann ich stolz Bilanz ziehen, dass selbst in Zeiten der Pandemie ein sorgenfreies, sicheres Reisen auf „meinen Inseln“ möglich ist. 😊 Ein grosser Dank an meine Gäste, deren Mut mit traumhaften Wanderungen auf fast menschenleeren Wegen belohnt wurde und mir sehr viel Freude sowie Zuversicht für die Zukunft geschenkt haben. Dank der rigorosen Kontrolle bei der Ankunft auf den Azoren sowie einem weiteren, kostenlosen Test am 6. Tag haben wir derzeit nur wenige Fälle auf den Inseln und sicheres Reisen ist absolut möglich. Mir war es ein grosses Anliegen, diesen Reisebericht gleich nach dem Ende meiner ersten Gruppe von „Olivers Azoren“ zu schreiben, um auch vielleicht weiteren Wanderfreunden mit meinen Erzählungen und Bildern zu verdeutlichen, dass es sich lohnt, mich bald auf meinen Inseln zu besuchen. Durch meine jahrelange, enge Zusammenarbeit mit Weltweitwandern sowie den lokalen Partnern vor Ort konnte ein reibungsloser Ablauf der Reise sichergestellt werden. Hier auf den Azoren haben wir gelernt, mit dem Virus zu leben und dazu gehört auch, den Vorschriften der Gesundheitsbehörde Folge zu leisten und in geschlossenen Räumen Masken zu tragen. Klar nervt das manchmal, sollte aber hoffentlich niemanden davon abhalten, sich bald sein „Azorenhoch“ zu holen. 😉 Mit vielen Grüßen von meinen Trauminseln im Atlantik!

Oliver Handler im September 2020

Weitere Infos

Azoren-Insiderinfos in einem Blogartikel von Oliver persönlich: https://www.weltweitwandern.at/wanderwissen/azoren-insiderinfos-zum-wandern-und-reisen/

Hier geht es zu einer Auswahl meiner schönsten Azoren-Bilder:
https://www.facebook.com/pg/Weltweitwandern/photos/?tab=album&album_id=10155939651227030

Hier geht es zu unseren beiden Azoren-Reisen:
https://www.weltweitwandern.at/europa/portugal/olivers-azoren/
https://www.weltweitwandern.at/europa/portugal/Portugal-Inselhuepfen-auf-den-Azoren/

Hier unser Video über Oliver & seine Azoren: