Wir starten mitten im Lorbeerwald auf 900 Metern; das Plätschern der Levada klingt so heiter, dass unser bevorstehender Aufstieg gleich viel harmloser erscheint. Der vulkanische Pico Ruivo („Rote Spitze“) ist immerhin der dritthöchste Berg von ganz Portugal. Unser Guide Richard, der Sohn unserer Madeira-Pioniere Gerald und Christa, der sich jetzt auch auf der Insel niedergelassen hat, führt uns einen alten Schäferpfad entlang. Während unserer Mittagspause am Gipfel genießen wir den Rundblick über die Insel. Und wenn uns der Nebel ein wenig die Sicht versperrt, dann genießen wir die ganz eigene Stimmung, wenn die Wolken zum Greifen nah erscheinen. An diesem Tag kommen wir auf 2.000 Höhenmeter, das ist unser Wochenrekord.

Aus verschiedenen Routen wählen wir je nach Saison und Wetterlage die jeweils vier „besten“ aus. Der Fackelberg Pico do Facho, der einst den Seefahrern als Orientierung diente, ist genauso dabei wie Almenwanderungen und der Zauberwald mit den uralten, knorrigen Lorbeerbäumen. Gemütliche Bummeltage gönnen wir uns aber auch.

Den Kopf voll alter Geschichten, folgen wir dem Pfad vom Dörfchen Jardim do Mar (Garten am Meer) über Steilklippen nach Prazeres. Über diesen schmalen Weg ließ sich einst der etwas korpulente Pater Sebastiao in einer Hängematte zu seinen „Schäfchen“ tragen. Auf einem Steinweg geht es danach abwärts ins Surferparadies Paul do Mar – und dann noch mal rauf: ins Bauerndorf Fajã da Ovelha, wo die Zeit stehengebieben zu sein scheint.

Richard aus unserer Wanderfamilie führt uns entlang handverlesener Wege über die Insel. Wir streifen durch Lorbeerwälder, passieren plätschernde Quellen und genießen den Ausblick auf den Atlantik.