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Ingeborg B, 2. December 2013
Jeden Tag Urwald, auch viele Nächte. Geweckt spätestens um 5 Uhr durch den ersten Brüllaffenruf (oder um 4 Uhr durch sturzbachartigen Regen). Das nächtliche Grillenzirpen wird ergänzt durch Vogelrufe, die Kolibris klingen schimpfend, wenn sie die vielen Blüten ansteuern, Aras ziehen in Paaren über den hellblauen Morgenhimmel, die Affen turnen von Ast zu Ast, von Baum zu Baum, Schmetterlinge in Handtellergröße begeben sich auf Nahrungssuche und wenn man in Monte Alto die phänomenale Möglichkeit der (überdachten) Freiluftübernachtung gewählt hat, umschwirren einen die Fledermäuse, bevor sie ihr tägliches Schlafquartier an der Gebäudeaußenwand aufsuchen. Derweil steigt der Nebel aus den Bäumen und den Schluchten hoch. Jeden Tag Urwald und an einigen Aufenthalt oder Besuche in Projektstationen - Projekte, die z.B. die Vitalisierung ursprünglicher natürlicher Zustände oder neuer umfeldverträglicher gesellschaftsrelevanter Aktivitäten zum Inhalt haben - klingt trocken, ist aber höchst spannend, lebendig und Achtung gebend. Den Part hatte ich bei Buchung der Reise gar nicht so auf dem Schirm, aber ich habe ihn in hohem Maße schätzen gelernt. Eine grandiose Reiseleitung durch Enrique Ramos, der viel weiß und leidenschaftlich ist, wenn es um sein Land geht. Dezent, aber nachdrücklich. Ein auskunfts- und diskussionsfreudiger Mensch, bereichernd in vieler Hinsicht. Eine Reise ohne Verschnaufpause - man hätte jederzeit mal sagen können: "Nö, heute mache ich nicht mit, heute bleibe ich am Pool in der Unterkunft." Einige laden dazu geradezu ein, aber keiner von uns zwölf Reiseteilnehmenden hat den Vorsatz, wenn er denn da war, auch nur einmal umgesetzt. So schön sie drinnen waren, es war zuviel außerhalb zu entdecken. Mein persönliches Highlight: Jeden Tag mindestens eines. Nur einige aufzuzählen hieße, andere nicht angemessen zu würdigen. Wer gerne "mit der Fledermaus duscht" (Zitat eines Mitreisenden in Monte Alto), die Sinnhaftigkeit nicht vorhandener Warmwasserhähne in den Unterkünften akzeptiert, sich freut, wenn ihm Kontakte zu den Menschen im Land vor die Füße gelegt werden, Schlammbrocken an den Wanderschuhen gerne im nächsten Wasserlauf abspült (der an der einen oder anderen Stelle ohnehin durchwatet werden muss), gerne unter Wasserfällen badet oder wellenreitet in Pazifik und Atlantik, oder im Bus, wenn ein Schlagloch das andere ablöst, für den ist das ein 7*- Urlaub auf der 5-er-Skala. Ursprünglich wollte ich drei Wochen in Costa Rica sein, aber ich bin nach zwei Wochen ganz erfüllt, ganz satt wieder nach Hause gefahren. Will sagen, dass es eine gut durchdachte Reise ist, bei der man genug, auch nicht zuviel tut. Fazit: Viel mehr, als ich zu erwarten gewagt hatte. Grandioso!